Sonntagsfrühstück, 8.Juni

Einen wunderschönen guten Morgen!

Wer auf Instagram scrollt bekommt den Eindruck, dass alle ein perfektes Leben führen. Hier begegnen uns fast nur schöne Menschen, ohne jeden Makel, die fantastische Dinge erleben. Die mühelos und in kurzer Zeit eine Ruine renovieren, den Garten mit Pool anlegen und dabei auch noch gut aussehen. Unordnung im Haus? Sieht man kaum, dafür drapierte Kissen, blütenweiße Sofas und dekorative Bücher, die auf kleinen Beistelltischen liegen. Klar, sehen die Häuser und Wohnungen toll aus, doch ich möchte die Fenster die bis zum Dach reichen nicht putzen und ein weißes Sofa ist mit einem Hund im Haushalt nicht besonders kompatibel.

Ja, ich geben zu, ich klicke mich gerne durch die bunten Bilder auf Instagram. Schaut her, meine Wohnung, mein Haus, meine Kleidung, mein Essen. Ein wenig Comedy hier, ein paar Urlaubsfotos da, süße Welpen, tolle Pferde und der wunderschön gedeckte Frühstückstisch. Natürlich schmeckt das Frühstück oder Abendessen an einem schön gedeckten Tisch einfach besser und ein appetitlich angerichteter Teller erfreut das Auge und den Gaumen. Bei Instagram hat man das Gefühl, hier ist ein Food Stylist am Werk und aus der einfachen Stulle wird ein Kunstwerk geschaffen. Wenn ich meine Gerichte ablichte, dann sind die Fotos entweder gut oder sie landen in der Tonne. Möchte ich das Rezept unbedingt veröffentlichen, dann starte ich einen zweiten Versuch und meine Familie ist gezwungen das Gericht noch einmal zu essen.

Instagram ist zweifellos eine Plattform der Schönheit, der makellosen Körper, herrlichen Sandstränden, das perfekte Leben und nebenbei wird mit Rabatten für die neue Anti-Falten-Creme, selbstklebende Nagelfolie oder Kreidefarbe zur Umgestaltung von Küche oder Bad beworben. Sehr beliebt sind im Moment die sogenannten Wasserstaubsauger, die Alleskönner die der Hausfrau das Leben, für über 2000 Euro extrem leichter machen sollen. Fast wäre ich schwach geworden und wollte mir den Alleskönner bestellen. Zum Glück habe ich verschiedene Testberichte gelesen, die teils sehr negativ ausgefallen sind. Zu schwer, zu laut, unpraktisch in der Handhabung und ein schlechter Kundendienst. Eine Nutzerin meinte sogar sie rate Freunde und Bekannte dringend vom Kauf dieses Produktes ab.

Doch bei all der Kritik über Instagram klicke ich gerne durch die schönen Bilder. Es gibt einige Accounts, gerade in der Gartenwelt, die hilfreiche Tipps mit ihren Followern teilen. So wusste ich vor 10 Jahren nicht, dass Kaffeesatz ein guter Dünger für Hortensien ist oder das es Pferdemist in Form von Pellets gibt. Dass man beim Rosenschnitt fast nichts falsch machen kann, denn viel schlimmer wäre es, Rosen gar nicht zu schneiden. Seit gut zwei Jahren poste ich bei Instagram nichts mehr, bin also nur noch ein „stiller Zuschauer“. Ich war einfach nur müde von der Plattform – vom Posten, Liken oder Kommentieren und wollte eigentlich nur eine Pause einlegen. Doch aus einem Monat wurden zwei, dann drei und schon wieder war ein Monat rum. Irgendwann kam die Einsicht: Das Leben ohne Instagram ist viel zu schön, um wieder zurückzugehen. Ganz still und heimlich, ohne großen Tamtam oder einem Abschieds-Post habe ich Instagram eingestellt. Schon oft hatte ich den Vorsatz mein Konto ganz zu löschen, doch ab und zu ist es doch interessant in die Welt der Schönen, der Blender und der Scheinwelt einzutauchen.

Wünsche euch einen schönen Sonntag!